Dein Magazin rund um gewichtheben, kraftsport und fitness

BEITRÄGE ZUM THEMA LIFESTYLE

Neujahresvorsätze sind unnötig….

…ABER sie können durchaus hilfreich sein. In der Regel braucht niemand von uns einen Jahresanfang um sich selbst Ziele zu setzen.

Martin Klaiber – Der “Wortkraftsportler” und Cartoonist

Im Alter von 14 Jahren kommt Martin Klaiber zum Gewichtheben. In Fellbach bei Stuttgart, seiner Zeit eine wahrhaftige Gewichtheber-Hochburg, startete er mit einem Probetraining und ist bis heute dabei geblieben. Nicht als Leistungssportler, aber als „Wortkraftsportler“.

Es ist nie zu spät mit Gewichtheben anzufangen

Seit 1987 dürfen Frauen in unserer Sportart an Weltmeisterschaften teilnehmen und im Jahr 2000 wurde erstmals das Frauen-Gewichtheben in das olympische Programm aufgenommen.

Bei diesen Olympischen Spielen nahmen 85 Frauen teil (161 Männer). Zu den Spielen 2016 in Rio steigerte sich die Anzahl der teilnehmenden Frauen um 20 Athletinnen, während die Teilnehmerzahlen der Männer sogar rückläufig waren.

Etwas mehr als dreißig Jahre ist das Frauen-Gewichtheben nun international anerkannt.

Wieso trauen sich viele Mädels trotzdem nicht an die Hantel?

Der erste Punkt ist natürlich die Angst sich die Figur zu zerstören - was Schwachsinn ist. Viel zu oft eifern wir vermeintlichen Schönheitsidealen nach, die uns in Wahrheit nur der Mainstream vorgibt. Ein weiterer Gedanke vieler Frauen ist, dass sie zu alt für das Gewichtheben sind – ebenfalls Schwachsinn, wenn ihr mich fragt.

Ich selbst habe mit 9 Jahren den Weg in die Gewichtheberhalle gefunden. So jung begonnen zu haben ist sicherlich kein Nachteil. Mir ist schon recht zeitig bewusst geworden, dass ich den Sport auf Leistungsniveau ausüben möchte und habe mir Teilnahmen bei internationalen Wettkämpfen als Ziel gesetzt.

Ich bin dennoch überzeugt, dass auch Mädels bzw. Frauen unabhängig ihres Alters den Schritt an die Langhantel wagen können und dabei auch national sowie vielleicht auch international einiges erreichen können.

Die mir auf Instagram gestellte Frage, ob es sich noch lohnen würde mit 18 oder 19 mit dem Gewichtheben zu beginnen und dabei an Wettkämpfen teilzunehmen ist berechtigt aber leicht zu beantworten - es lohnt sich!

Wenn du beispielsweise jetzt (also Ende 2019) mit dem Gewichtheben anfängst und dich in einem Gewichtheberverein anmeldest, dir ein Startbuch für Wettkämpfe besorgst, fleißig und motiviert unter geschulter Aufsicht eines Trainers trainierst, kannst du es schaffen Ende 2020 bei der Deutschen Meisterschaft teilzunehmen. Dies ist natürlich ein ambitionierter Plan, er wurde aber schon von einigen genau so umgesetzt.

BEISPIELE NATIONALER ATHLETINNEN

So kann auch mit knapp über 30 Jahren der olympische Traum verwirklicht werden. Mit gutem Beispiel geht hierbei PATRICIA RIEGER voran. Die seit 2019 in den Perspektivkader des BVDG aufgenommene Seiteneinsteigerin begann nicht im Kindesalter, sondern startete ihre Gewichtheber-Karriere parallel zum Basketball Ende 2013.

Die damals noch 26-jährige Beginnerin arbeitet dabei momentan zielstrebig an ihrem Traum sich ein Ticket zu den Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu sichern.

Auch die Kölnerin SANDRA HACKER gehört heute zu den bekannteren Gewichtheberinnen in Deutschland. Dabei ist ihre Sportler-Geschichte für das Gewichtheben gar nicht so untypisch. Sie stammt nämlich aus dem Crossfit-Bereich. Im März 2018 begann die 27-jährige neben dem Crossfit noch spezifischer mit der Langhantel zu arbeiten. Im selben Jahr konnte sie sich für die Deutsche Meisterschaft in Roding qualifizieren und die Bronzemedaille in der Gewichtsklasse -58 Kilo mit nach Hause nehmen. Das großes Ziel der Kölnerin, die neben ihrer Leidenschaft für das Gewichtheben noch einen 40-Stunden Job als Teamleiterin ausübt, ist es eines Tages auch einmal gegen internationale Konkurrenz anzutreten. Die sympathische und witzige Athletin begann auch erst Ende zwanzig und hat in ihrer Gewichtheber-Karriere noch einiges vor.

BEISPIELE INTERNATIONALER ATHLETINNEN

Zu einer der bekanntesten Gewichtheberinnen weltweit gehört LYDIA VALENTIN. Die Spanierin spielte bereits ab dem elften Lebensjahr mit dem Eisen. Dennoch erlangte die starke Blondine ihren größten Erfolg, die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2012, erst mit 27 Jahren. Die stärkste Leistung in ihrer gesamten Karriere erreichte sie sogar erst mit 29 Jahren bei der Europameisterschaft 2014.

Vergleicht man die Karriere Lydia’s mit der der Amerikanerin MATTIE ROGERS, so werden Unterschiede direkt deutlich. Sie begann im Alter von 17 Jahren mit dem Gewichtheben, bereits 6 Jahre später sicherte sie sich ihre erste WM-Medaille (Anaheim 2017).

Es ist also nicht zwangsweise notwendig als Kind oder Jugendliche mit dem Sport anzufangen. Wenn du 9, 11, 17, 20, 30, 40 oder 50 bist und Bock auf Gewichtheben hast dann mach es einfach!

Viel Spaß beim Gewichte fliegen lassen und immer an meine Worte denken – EINFACH MACHEN!

Gewichtheben macht stark und nicht gleich dick

„Eine Frau im Gewichtheben kann doch nicht schlank und hübsch sein.“ Diese Worte treffen tief, wenn man Menschen zu erklären versucht, dass Gewichtheben ein Gewichtsklassensport ist und nicht jede Gewichtheberin gleich aussieht.

"GEWICHTEBERINNEN SIND DOCH ALLE DICK"

Viel zu oft bekomme ich die Frage von Frauen gestellt, ob sie mit Gewichtheben anfangen sollen. Sie denken drei Mal darüber nach, den Start zu wagen, denn als weibliche Gewichtheberin wird man schnell verurteilt. Mit Sprüchen wie „Muskulöse Frauen sind nicht schön.“ oder „Gewichtheberinnen sind doch alle dick.“ wird schnell geurteilt.

National sowie international gibt es einige hübsche, gut gebaute Frauen im Gewichtheben, die zudem auch sehr erfolgreich sind. Das beste Beispiel im Deutschen Frauen-Gewichtheben ist Julia Schwarzbach, ehemals Rohde. Im Internet gibt es unzählige Artikel über die, zu ihrer Zeit, schönste deutsche Olympiateilnehmerin.

Viele, über Social Media bekannte Gewichtheberinnen, fanden ihren Weg an die Langhantel über CrossFit.

Unter anderen hat Lena Tomkowiak sich für diesen Weg entschieden. Eine sehr hübsche, sympathische und ambitionierte Sportlerin. Anfang 2017 trat sie das erste Mal an die Sportart heran. Zunächst ein bis zwei Mal die Wochen neben dem Crossfit. Nach ihrer ersten Deutsche Meisterschaft 2018 in Roding hatte sie Blut geleckt. Seit Anfang 2019 konzentriert sich die Besitzerin der Athletenschiede Kiel nur noch auf Gewichtheben. Die damals noch in der bis 58 kg Klasse-Startende begann mit 131 kg im Zweikampf.

"Du siehst gar nicht aus wie eine Gewichteheberin!"

Mit einmal wöchentlicher, trainerlicher Unterstützung steigerte sie sich nicht nur im Zweikampf um 16 Kilo innerhalb eines halben Jahres, sondern verbesserte auch ihre Technik. Immer öfter stand sie auf der Heberbühne nationaler Wettkämpfe wie z.B. der German Weightlifting Open im Juli 2019 bei der sie die bis 55kg Gewichtsklasse der Damen gewann. Neben den Einzelmeisterschaften unterstützt sie ihren Heimatverein „TuS Gaarden“ bei der Nordliga.

Lena ist ein wunderbares Bespiel dafür, dass Gewichtheberinnen hübsch und stark sein können. Die seit August 2018 verheiratete Athletin muss sich, wie viele andere Mädels, mit Kommentaren wie „Du siehst gar nicht wie eine Gewichtheberin aus.“ oder „Den Sport sieht man dir gar nicht an.“ rumschlagen.

Auch ich habe des Öfteren einen schrägen Blick (besonders von Männern) abbekommen, wenn sie erfahren, dass ich Gewichtheberin bin.

Eine Frau, die mehr stößt als mancher Mann, lässt sich nicht gern als „klein und zart“ betiteln. Die ganze Arbeit und Zeit, die in den Sport investiert wird, muss nicht von anderen am Körperbild gesehen werden.

Als Frau muss man keine Angst vor zu viel Muskeln haben!

Im Laufe der letzten Jahre hat sich das Idealbild der Frau von Victoria Secret Models zu gut gebauten Athletinnen weiterentwickelt. Ich kenne so viele Männer, die sportliche Frauen bevorzugen und kein Interesse an Spargeltarzanen haben.

Gerade Frauen, die mit dem Sport beginnen möchten, malen sich schon vorher aus, wie ihre Schultern nach zwei Wochen platzen weil sie zu stark geworden sind. Das ist Blödsinn! Effektiver Muskelaufbau ist ein Marathon und kein Sprint. Zudem spielen viele Faktoren für das äußerliche Körperbild eine Rolle. Zum einen die persönlichen Voraussetzungen, die Trainingsintensität und die Ernährung.

Ich kann mich gut erinnern, dass ich vor drei Jahren schon meinte muskulöse Oberschenkel zu haben. Wenn ich mir heute Bilder von dieser Zeit ansehe denke ich, dass es damals Storchenbeine waren die mich über die Erde getragen haben

Gewichtheben zu erlernen sowie die körperliche Statur darauf auszulegen ist ein jahrelanger Prozess.

Jeder Mensch ist anders und hat seinen persönlichen Geschmack im Bezug auf das Körperbild einer Frau. Allerdings sollte nicht, wenn man mit Gewichtheben beginnen möchte, der erste Gedanke an blöde Kommentare anderer verschwendet werden. Einfach ausprobieren und schauen wohin die Reise womöglich geht.

Nicht nur die technischen Abläufe beim Reißen oder Stoßen sind schön anzusehen, sondern auch die Frauen, die diese beherrschen.

Dabei sein ist alles?!

„Dabei sein ist alles“, eines der Grundprinzipien der Olympischen Spiele und irgendwie kann man auch wohl kaum etwas gegen diesen Satz sagen. Doch scheint die Bedeutung dahinter manchmal zu verschwimmen.

In der letzten Zeit habe ich diesen Satz von Trainern und Athleten immer häufiger nach einem Wettkampf gehört, der nicht ganz optimal verlief. Der Sportler blieb weit unter seinen Möglichkeiten und dies wurde mit einem einfachen „Allein die Teilnahme ist doch schon ein Erfolg!“ bzw. „Dabei sein ist alles!“ abgetan. Das mag auf eine gewisse Art und Weise auch stimmen, es kann natürlich nicht jeder gewinnen und die Qualifikation für einen Wettkampf ist oft schon eine große Herausforderung und verdient Anerkennung. Doch wie hat der bekannte deutsche Rapper Kontra K so schön gesagt, „Dabei sein ist alles, sagt nur der, der verliert“.

Ein Wettkampf ist ein Kampf um die beste sportliche Leistung. Dass es in den meisten Fällen nur einen Sieger geben kann, liegt in der Natur eines Wettkampfs. Doch sollte man den Begriff „Sieg“ für sich persönlich definieren.

Kann eine reine Teilnahme schon ein Sieg sein? Ich denke nicht. Nur wer in einem Wettkampf sein absolut Bestes gibt und seine persönlichen Möglichkeiten vollkommen ausschöpft, sollte zufrieden sein. „Dabei sein ist alles“ als Ausrede nach Niederlagen oder schlechten Wettkämpfen zu verwenden ist Selbstbetrug und führt langfristig nicht unbedingt zu wahrem Selbstbewusstsein und einem positiven Mindset. „Dabei sein ist alles“ ist vielmehr ein Ansporn die Möglichkeit, seine beste sportliche Leistung zu zeigen, zu nutzen und seinen ganz persönlichen Sieg zu feiern.

Was Gewichtheber vom CrossFit lernen können

Gewichtheben hat in den vergangenen Jahren durch CrossFit erheblich an Popularität gewonnen und Reißen und Stoßen sind wesentliche Bestandteile des Trainings und Wettkampfs. Die Weightlifting Events gehören immer zu den spektakulärsten und spannendsten Teilen von CrossFit -Wettkämpfen und sind nicht nur bei den Athleten besonders beliebt, sondern begeistern auch das Publikum.

CrossFit und Gewichtheben können auch abseits von technischer Ausführung des Reißens und Stoßens viel voneinander lernen.
Heute soll es vor allem darum gehen, was sich Gewichtheber von CrossFittern abschauen und für ihr eigenes Training verwenden können.

1. Vielfalt ist der Schlüssel zum Erfolg

Im Gewichtheben dominieren die beiden Wettkampfübungen Reißen und Stoßen mit ihren jeweiligen Zubringern das Training. Um erfolgreich zu sein und sich zu verbessern, trainieren viele Athleten hochspezifisch und oftmals sehr einseitig. Bewegungsvielfalt ist leider in vielen Gewichtheberhallen ein Fremdwort, doch zeigen sportwissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrung, dass der im CrossFit herrschende Grundsatz das Training ständig zu variieren vor allem neue Trainingsreize setzt und Plateaus überwindet.

Grundlagentraining im athletischen Bereich ist nicht nur essentiell für einen langfristigen Leistungsaufbau, sondern schützt auch vor zu einseitiger Belastung und dem damit verbundenen Verletzungsrisiko.
CrossFit bietet eine unendliche Zahl an Übungen, die zusätzlich zum normalen Gewichthebertraining absolviert werden können. Auch vor dem hohen Volumen und der Komplexität mancher Übungen aus dem CrossFit sollte man nicht zurückschrecken.

2. Eine Cardioeinheit pro Woche schadet nicht

Gewichtheber hassen Laufen. Allein bei den Worten Ausdauertraining oder Cardio bekommen die meisten Gewichtheber schon Schnappatmung. Das muss aber gar nicht sein. Kardiovaskuläres Training vor allem in der Grundlagenphase kann auch für Gewichtheber, bei denen Schnell- und Maximalkraft die entscheidenden Kriterien sind, von Vorteil sein.

Grundlagenausdauertraining eignet sich für sogenannte aktive Erholungsphasen und hilft dabei, das Trainingsvolumen in Aufbauphasen besser bewältigen zu können. Wenn keine Basis an Fitness gelegt wurde, dann tut sich der Körper schwer hohes Trainingsvolumen wegzustecken und regeneriert auch langsamer.
Es muss auch nicht immer laufen sein. Regelmäßig Fahrrad fahren, schwimmen oder rudern macht sogar recht viel Spaß!

3. Der Trainingsplan ist nicht alles

Die meisten Trainingspläne von Gewichthebern sind hochspeziell, selbst die Aufwärmsätze sind vorgegeben und man weicht in der Regel nicht von den Vorgaben des Trainers ab. Meist folgt man einem strikten System von Belastungs- und Entlastungswochen und das Trainingsvolumen sowie die Intensitäten sind genauestens kalkuliert und berechnet.

Trainingspläne für spezielles Training im Gewichtheben sind eine Kunst und Wissenschaft für sich und jeder Trainer hat seine eigenen Ansichten und Erfahrungen wie er Athletinnen und Athleten zu Höchstleistungen bringen kann.
Doch manchmal spielt das Leben nicht so mit und man hat einen schlechten Tag oder viel Stress und die Vorgaben aus dem Trainingsplan sind einfach nicht erfüllbar. An solchen Tagen krampfhaft an den vorgegebenen Übungen und Lasten festzuhalten ist nicht immer sinnvoll. Manchmal sind ein paar andere Übungen oder lediglich etwas Athletiktraining völlig ausreichend.

Genauso verhält es sich andersherum, manchmal hat man einfach einen extrem guten Tag und ein Gefühl, dass man heute den schon langersehnten PR schaffen kann, auch wenn er nicht auf dem Plan geht. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, einfach mal sämtliche vorgegebenen Werte und Lasten zu vergessen und auszutesten was so geht, dann spricht nichts dagegen sofern man sich nicht in einer sensiblen Phase einer Wettkampfvorbereitung befindet.

Ab und zu mal den Trainingsplan über Bord zu werfen und nur das zu machen, was einem wirklich zu 100% Spaß macht, ist für Amateurathleten vollkommen legitim. Nicht nur der Körper braucht Erholung und Abwechslung, sondern auch der Kopf. Aus solchen Trainingseinheiten schöpft man in der Regel neue Energie, um danach wieder diszipliniert dem Trainingsplan zu folgen.

Neujahresvorsätze sind unnötig….

…ABER sie können durchaus hilfreich sein. In der Regel braucht niemand von uns einen Jahresanfang um sich selbst Ziele zu setzen.

Martin Klaiber – Der “Wortkraftsportler” und Cartoonist

Im Alter von 14 Jahren kommt Martin Klaiber zum Gewichtheben. In Fellbach bei Stuttgart, seiner Zeit eine wahrhaftige Gewichtheber-Hochburg, startete er mit einem Probetraining und ist bis heute dabei geblieben. Nicht als Leistungssportler, aber als „Wortkraftsportler“.

Es ist nie zu spät mit Gewichtheben anzufangen

Seit 1987 dürfen Frauen in unserer Sportart an Weltmeisterschaften teilnehmen und im Jahr 2000 wurde erstmals das Frauen-Gewichtheben in das olympische Programm aufgenommen.

Bei diesen Olympischen Spielen nahmen 85 Frauen teil (161 Männer). Zu den Spielen 2016 in Rio steigerte sich die Anzahl der teilnehmenden Frauen um 20 Athletinnen, während die Teilnehmerzahlen der Männer sogar rückläufig waren.

Etwas mehr als dreißig Jahre ist das Frauen-Gewichtheben nun international anerkannt.

Wieso trauen sich viele Mädels trotzdem nicht an die Hantel?

Der erste Punkt ist natürlich die Angst sich die Figur zu zerstören - was Schwachsinn ist. Viel zu oft eifern wir vermeintlichen Schönheitsidealen nach, die uns in Wahrheit nur der Mainstream vorgibt. Ein weiterer Gedanke vieler Frauen ist, dass sie zu alt für das Gewichtheben sind – ebenfalls Schwachsinn, wenn ihr mich fragt.

Ich selbst habe mit 9 Jahren den Weg in die Gewichtheberhalle gefunden. So jung begonnen zu haben ist sicherlich kein Nachteil. Mir ist schon recht zeitig bewusst geworden, dass ich den Sport auf Leistungsniveau ausüben möchte und habe mir Teilnahmen bei internationalen Wettkämpfen als Ziel gesetzt.

Ich bin dennoch überzeugt, dass auch Mädels bzw. Frauen unabhängig ihres Alters den Schritt an die Langhantel wagen können und dabei auch national sowie vielleicht auch international einiges erreichen können.

Die mir auf Instagram gestellte Frage, ob es sich noch lohnen würde mit 18 oder 19 mit dem Gewichtheben zu beginnen und dabei an Wettkämpfen teilzunehmen ist berechtigt aber leicht zu beantworten - es lohnt sich!

Wenn du beispielsweise jetzt (also Ende 2019) mit dem Gewichtheben anfängst und dich in einem Gewichtheberverein anmeldest, dir ein Startbuch für Wettkämpfe besorgst, fleißig und motiviert unter geschulter Aufsicht eines Trainers trainierst, kannst du es schaffen Ende 2020 bei der Deutschen Meisterschaft teilzunehmen. Dies ist natürlich ein ambitionierter Plan, er wurde aber schon von einigen genau so umgesetzt.

BEISPIELE NATIONALER ATHLETINNEN

So kann auch mit knapp über 30 Jahren der olympische Traum verwirklicht werden. Mit gutem Beispiel geht hierbei PATRICIA RIEGER voran. Die seit 2019 in den Perspektivkader des BVDG aufgenommene Seiteneinsteigerin begann nicht im Kindesalter, sondern startete ihre Gewichtheber-Karriere parallel zum Basketball Ende 2013.

Die damals noch 26-jährige Beginnerin arbeitet dabei momentan zielstrebig an ihrem Traum sich ein Ticket zu den Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu sichern.

Auch die Kölnerin SANDRA HACKER gehört heute zu den bekannteren Gewichtheberinnen in Deutschland. Dabei ist ihre Sportler-Geschichte für das Gewichtheben gar nicht so untypisch. Sie stammt nämlich aus dem Crossfit-Bereich. Im März 2018 begann die 27-jährige neben dem Crossfit noch spezifischer mit der Langhantel zu arbeiten. Im selben Jahr konnte sie sich für die Deutsche Meisterschaft in Roding qualifizieren und die Bronzemedaille in der Gewichtsklasse -58 Kilo mit nach Hause nehmen. Das großes Ziel der Kölnerin, die neben ihrer Leidenschaft für das Gewichtheben noch einen 40-Stunden Job als Teamleiterin ausübt, ist es eines Tages auch einmal gegen internationale Konkurrenz anzutreten. Die sympathische und witzige Athletin begann auch erst Ende zwanzig und hat in ihrer Gewichtheber-Karriere noch einiges vor.

BEISPIELE INTERNATIONALER ATHLETINNEN

Zu einer der bekanntesten Gewichtheberinnen weltweit gehört LYDIA VALENTIN. Die Spanierin spielte bereits ab dem elften Lebensjahr mit dem Eisen. Dennoch erlangte die starke Blondine ihren größten Erfolg, die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2012, erst mit 27 Jahren. Die stärkste Leistung in ihrer gesamten Karriere erreichte sie sogar erst mit 29 Jahren bei der Europameisterschaft 2014.

Vergleicht man die Karriere Lydia’s mit der der Amerikanerin MATTIE ROGERS, so werden Unterschiede direkt deutlich. Sie begann im Alter von 17 Jahren mit dem Gewichtheben, bereits 6 Jahre später sicherte sie sich ihre erste WM-Medaille (Anaheim 2017).

Es ist also nicht zwangsweise notwendig als Kind oder Jugendliche mit dem Sport anzufangen. Wenn du 9, 11, 17, 20, 30, 40 oder 50 bist und Bock auf Gewichtheben hast dann mach es einfach!

Viel Spaß beim Gewichte fliegen lassen und immer an meine Worte denken – EINFACH MACHEN!

Gewichtheben macht stark und nicht gleich dick

„Eine Frau im Gewichtheben kann doch nicht schlank und hübsch sein.“ Diese Worte treffen tief, wenn man Menschen zu erklären versucht, dass Gewichtheben ein Gewichtsklassensport ist und nicht jede Gewichtheberin gleich aussieht.

"GEWICHTEBERINNEN SIND DOCH ALLE DICK"

Viel zu oft bekomme ich die Frage von Frauen gestellt, ob sie mit Gewichtheben anfangen sollen. Sie denken drei Mal darüber nach, den Start zu wagen, denn als weibliche Gewichtheberin wird man schnell verurteilt. Mit Sprüchen wie „Muskulöse Frauen sind nicht schön.“ oder „Gewichtheberinnen sind doch alle dick.“ wird schnell geurteilt.

National sowie international gibt es einige hübsche, gut gebaute Frauen im Gewichtheben, die zudem auch sehr erfolgreich sind. Das beste Beispiel im Deutschen Frauen-Gewichtheben ist Julia Schwarzbach, ehemals Rohde. Im Internet gibt es unzählige Artikel über die, zu ihrer Zeit, schönste deutsche Olympiateilnehmerin.

Viele, über Social Media bekannte Gewichtheberinnen, fanden ihren Weg an die Langhantel über CrossFit.

Unter anderen hat Lena Tomkowiak sich für diesen Weg entschieden. Eine sehr hübsche, sympathische und ambitionierte Sportlerin. Anfang 2017 trat sie das erste Mal an die Sportart heran. Zunächst ein bis zwei Mal die Wochen neben dem Crossfit. Nach ihrer ersten Deutsche Meisterschaft 2018 in Roding hatte sie Blut geleckt. Seit Anfang 2019 konzentriert sich die Besitzerin der Athletenschiede Kiel nur noch auf Gewichtheben. Die damals noch in der bis 58 kg Klasse-Startende begann mit 131 kg im Zweikampf.

"Du siehst gar nicht aus wie eine Gewichteheberin!"

Mit einmal wöchentlicher, trainerlicher Unterstützung steigerte sie sich nicht nur im Zweikampf um 16 Kilo innerhalb eines halben Jahres, sondern verbesserte auch ihre Technik. Immer öfter stand sie auf der Heberbühne nationaler Wettkämpfe wie z.B. der German Weightlifting Open im Juli 2019 bei der sie die bis 55kg Gewichtsklasse der Damen gewann. Neben den Einzelmeisterschaften unterstützt sie ihren Heimatverein „TuS Gaarden“ bei der Nordliga.

Lena ist ein wunderbares Bespiel dafür, dass Gewichtheberinnen hübsch und stark sein können. Die seit August 2018 verheiratete Athletin muss sich, wie viele andere Mädels, mit Kommentaren wie „Du siehst gar nicht wie eine Gewichtheberin aus.“ oder „Den Sport sieht man dir gar nicht an.“ rumschlagen.

Auch ich habe des Öfteren einen schrägen Blick (besonders von Männern) abbekommen, wenn sie erfahren, dass ich Gewichtheberin bin.

Eine Frau, die mehr stößt als mancher Mann, lässt sich nicht gern als „klein und zart“ betiteln. Die ganze Arbeit und Zeit, die in den Sport investiert wird, muss nicht von anderen am Körperbild gesehen werden.

Als Frau muss man keine Angst vor zu viel Muskeln haben!

Im Laufe der letzten Jahre hat sich das Idealbild der Frau von Victoria Secret Models zu gut gebauten Athletinnen weiterentwickelt. Ich kenne so viele Männer, die sportliche Frauen bevorzugen und kein Interesse an Spargeltarzanen haben.

Gerade Frauen, die mit dem Sport beginnen möchten, malen sich schon vorher aus, wie ihre Schultern nach zwei Wochen platzen weil sie zu stark geworden sind. Das ist Blödsinn! Effektiver Muskelaufbau ist ein Marathon und kein Sprint. Zudem spielen viele Faktoren für das äußerliche Körperbild eine Rolle. Zum einen die persönlichen Voraussetzungen, die Trainingsintensität und die Ernährung.

Ich kann mich gut erinnern, dass ich vor drei Jahren schon meinte muskulöse Oberschenkel zu haben. Wenn ich mir heute Bilder von dieser Zeit ansehe denke ich, dass es damals Storchenbeine waren die mich über die Erde getragen haben

Gewichtheben zu erlernen sowie die körperliche Statur darauf auszulegen ist ein jahrelanger Prozess.

Jeder Mensch ist anders und hat seinen persönlichen Geschmack im Bezug auf das Körperbild einer Frau. Allerdings sollte nicht, wenn man mit Gewichtheben beginnen möchte, der erste Gedanke an blöde Kommentare anderer verschwendet werden. Einfach ausprobieren und schauen wohin die Reise womöglich geht.

Nicht nur die technischen Abläufe beim Reißen oder Stoßen sind schön anzusehen, sondern auch die Frauen, die diese beherrschen.

Dabei sein ist alles?!

„Dabei sein ist alles“, eines der Grundprinzipien der Olympischen Spiele und irgendwie kann man auch wohl kaum etwas gegen diesen Satz sagen. Doch scheint die Bedeutung dahinter manchmal zu verschwimmen.

In der letzten Zeit habe ich diesen Satz von Trainern und Athleten immer häufiger nach einem Wettkampf gehört, der nicht ganz optimal verlief. Der Sportler blieb weit unter seinen Möglichkeiten und dies wurde mit einem einfachen „Allein die Teilnahme ist doch schon ein Erfolg!“ bzw. „Dabei sein ist alles!“ abgetan. Das mag auf eine gewisse Art und Weise auch stimmen, es kann natürlich nicht jeder gewinnen und die Qualifikation für einen Wettkampf ist oft schon eine große Herausforderung und verdient Anerkennung. Doch wie hat der bekannte deutsche Rapper Kontra K so schön gesagt, „Dabei sein ist alles, sagt nur der, der verliert“.

Ein Wettkampf ist ein Kampf um die beste sportliche Leistung. Dass es in den meisten Fällen nur einen Sieger geben kann, liegt in der Natur eines Wettkampfs. Doch sollte man den Begriff „Sieg“ für sich persönlich definieren.

Kann eine reine Teilnahme schon ein Sieg sein? Ich denke nicht. Nur wer in einem Wettkampf sein absolut Bestes gibt und seine persönlichen Möglichkeiten vollkommen ausschöpft, sollte zufrieden sein. „Dabei sein ist alles“ als Ausrede nach Niederlagen oder schlechten Wettkämpfen zu verwenden ist Selbstbetrug und führt langfristig nicht unbedingt zu wahrem Selbstbewusstsein und einem positiven Mindset. „Dabei sein ist alles“ ist vielmehr ein Ansporn die Möglichkeit, seine beste sportliche Leistung zu zeigen, zu nutzen und seinen ganz persönlichen Sieg zu feiern.

Martin-Klaiber-Weightlifting-Cartoon

Martin Klaiber – Der “Wortkraftsportler” und Cartoonist

Im Alter von 14 Jahren kommt Martin Klaiber zum Gewichtheben. In Fellbach bei Stuttgart, seiner Zeit eine wahrhaftige Gewichtheber-Hochburg, startete er mit einem Probetraining und ist bis heute dabei geblieben. Nicht als Leistungssportler, aber als „Wortkraftsportler“.

Dabei sein ist alles?!

„Dabei sein ist alles“, eines der Grundprinzipien der Olympischen Spiele und irgendwie kann man auch